Antworten auf Lebensfragen

Kapitel

Warum habe ich mein Gutes nicht jetzt?

 
 
Lieber Freund,

Du fragst: „Warum habe ich mein Gutes nicht jetzt?“ Ich beeile mich mit der Gegenfrage: „Ja, warum eigentlich nicht? Du kannst es doch haben!“

Unser Mangel an Gutem liegt an unserer eigenen täglichen Trägheit. Ich kann es beinahe hören, wie Du fragst: „Was meinst Du mit Trägheit? Ich arbeite von morgens bis abends.“ Ich meine die Trägheit des Geistes. Der Geist ist der Schoß von allem, was in der Welt hervorgebracht wird. Wenn wir unser Gutes nicht haben, so deshalb, weil wir dieses Gute in unserem Geiste noch nicht empfangen haben oder weil wir unser Gutes zwar empfangen haben, aber immer noch sorgen, klagen und ängstlich sind. Dann ist unser Gutes tot geboren.

Wir sind im Käfig unseres eigenen Denkens gefangen. Wir betrachten die Verhältnisse in der Welt und kommen zu dem Urteil, dass viele Lebenszeiten erforderlich wären, um sie in Ordnung zu bringen. Aber das ist nicht wahr. Wir können unser Gutes erst haben, wenn wir individuell etwas dazu tun. Es wirkt darin ein Gesetz, ein grundsätzliches Gesetz des Universums, das Gesetz des Geschlechtes. Nichts wird hervorgebracht, es sei denn durch das Gesetz, denn es gibt keinen anderen Weg. Es spielt keine Rolle, wie viel wir investieren und wie sehr wir vielleicht versuchen, eine Geheimmethode zu finden, die Dinge hervorzubringen, es gibt nämlich keine. Es gibt nur einen Weg.

Nur durch das Gesetz kann in diesem Universum etwas sichtbar werden. Du möchtest doch Dein Gutes in sichtbarer, fassbarer und konkreter Form, nicht wahr? Nun, es gibt keine Abkürzung. Du musst dem Gesetz entsprechen. Jede lebendige Seele ist durch den Gang des Gesetzes ‑ gemeint ist das Gesetz des Geschlechtes ‑ ins Sein gekommen. Um ein körperliches Wesen hervorzubringen, muss Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt geschehen, denn auf keine andere Weise kann das Leben kommen. Wenn es Pflanze, Frucht oder Gemüse geben soll, muss der Gang des Gesetzes sein ‑ die Erde, der Same, der Schössling, die Pflanze, die Blüte und dann die Frucht ‑, denn es gibt keinen anderen Weg. Selbst bei der Geburt eines Atoms gibt es die Vereinigung der Protonen und Elektronen; dies ist das Prinzip des Geschlechtes im Bereich der Energie. Jedes ist ohne das andere nicht in der Lage zu wirken oder hervorzubringen.

Ich höre Dich fragen: „Was hat das alles mit meinem Guten zu tun?“ Sehr viel, denn alles in der äußeren Welt wird durch das Gesetz hervorgebracht. Jedes Gebäude, Schiff, Geschoss, selbst das kleinste Ding wird durch die Vereinigung von zwei verschiedenen Teilen im Geiste des Menschen hervorgebracht. Es gibt den fühlenden Teil, der der unterbewusste oder mütterliche Teil ist. Das ist der Schoß der äußeren Welt. Es gibt den denkenden, überlegenden, planenden Geist, welcher der Vater von allem ist. Alles muss Vater und Mutter haben, vom kleinsten Atom bis zum fernsten Stern.

Der Mensch empfängt mit seinem Geist eine Idee. Sie durchläuft eine Schwangerschaft oder einen Prozess des Denkens und Glaubens und bringt in angemessener Zeit Gleichartiges hervor. Dies ist das Gesetz der geistigen Erzeugung. Nichts wird ohne die Tätigkeit der beiden Phasen des Geistes hervorgebracht. In jedem Wirkungskreis müssen unser Wunsch und unser Plan sich in göttlicher Ordnung bewegen und können nicht hervorkommen, es sei denn durch das Gesetz. Der Gedanke genügt nicht ‑ er muss mit dem Gefühl erzeugt werden. Ohne den Dualismus des Geistes könnte nichts hervorgebracht werden. (Vielleicht ist es dies, was das alte Sprichwort sagt: „Alles, was hervorkommt, muss zwei Zeugen haben.“)

Die beiden Phasen des Geistes sind die zwei Zeugen bei der Geburt Deines Guten, ob das Gute eine Wohnung, ein neuer Wagen, eine bessere Stellung oder die Erfüllung eines Traumes ist. Dein rechtmäßiges und wunderbares Gutes muss in Deiner fühlenden Natur empfangen werden. Das bedeutet, dass Du es wünschen musst, dass Du Dich danach sehnen musst, dass Du Glauben und ein gutes Gefühl hineinlegen musst. Es muss auch durch Planung, Vorausschau, Annahme, Identifizierung und Glauben gepflegt werden. Dann wird es, wenn Du Deine Arbeit getan hast, wirklich werden. Nichts kann es aufhalten. Die Schöpfung geht immer weiter und ist nie zu Ende.

Wir müssen nicht nur über die Dinge, die wir hervorbringen möchten, nachdenken, wir müssen sie auch tief empfinden. Wenn wir Denker ohne Gefühl sind oder Fühlende ohne zu denken, dann sind wir unfruchtbar und bringen unser Gutes nicht hervor. Lasst uns erkennen, wie wir schöpferisch sind, denn wir sind in jedem Augenblick unseres Lebens schöpferisch wirksam. Wir sind schöpferisch, denn dies ist der Weg, wie wir unser Gutes hervorbringen. Dies ist der Weg, wie wir eine Laufbahn, ein Geschäft, eine Wohnung, Freunde, Gesellschaften und alles, was wir haben, hervorbringen. Du selbst schaffst Situationen, Verhältnisse, Krisen, durch die Du hindurch musst. Du schaffst Dein Leben. Du bist unaufhörlich Mutter und Vater von Ideen, Plänen und Träumen. Du bist ihre Mutter mit Deinem Gefühl und ihr Vater mit Deinem Denken. Wende die Aufmerksamkeit Deines bewussten Geistes und Dein Interesse, Deine Liebe und Deine Erwartung auf das, was Du hervorbringen möchtest. Säe mit Begeisterung den Traum, den Plan, die Not tief in Deine fühlende Seele. Liebe Dein Gutes.

Alles, was Du je in Deinem Leben besessen hast, ist auf diesem Wege gekommen. Du musst Dein Gutes in Deinem Geiste annehmen und es mit jeder Faser Deines Seins fühlen. Solange dies nicht geschieht, wird nichts empfangen. Du musst über Dein Gutes nicht nur reden oder nachdenken. Das Gute muss empfangen werden. Denken ist nicht genug, Sprechen ist nicht genug. Du musst die entscheidende Zutat hervorbringen: das Gefühl.

Das Ding, das geschaffen werden soll, muss überschattet werden von einem Gefühl, welches so groß ist, dass die ganze Seele davon erfüllt ist. Der Mensch fühlt nicht genug. Er denkt oft zu viel. Oberflächliche Gefühle schaffen ein leeres Leben. Der Mensch muss seine Rolle als ein Schaffender ernst nehmen. Er muss seine Bedeutung für alles, was ihm begegnet, erkennen. Er kann nicht lau oder geziert sein. Ohne das Feuer des Gefühls wird nichts vollbracht.

Wenn wir etwas leisten oder empfangen sollen, dann darf kein Teil fehlen. Das Gesetz muss in seinem vollen Umfang erfüllt werden. Wir müssen über das Gute sprechen. Wir müssen über das, was wir wollen und wünschen, nachdenken. Unser Gefühl muss dem Guten entgegenstreben. Wir müssen eifrig das Gesetz des Guten anwenden, wenn wir es erfüllen wollen. Warum haben wir unser Gutes nicht? Geistig gesehen haben wir ebenso viele Gründe dafür, dass wir es nicht haben wie dafür, dass wir es haben.

Manchmal denken wir, wir wären nicht würdig, unsere Kraft sei unzulänglich, wir hätten nicht genug Geld, wir hätten keine Ausbildung oder Gelegenheit. Wir haben eine Fülle von Entschuldigungen, aber nur einen Grund: Wir glauben nicht. Wir glauben, das Gute sei nicht für uns, obwohl wir es uns so sehr wünschen. Wir denken, das Leben sei zu kurz und es sei zu schwer, die Dinge zu erlangen. Wir vernünfteln uns aus unserem Guten heraus. Unser Geist ist nicht in Übereinstimmung mit unseren Wünschen oder unseren Gefühlen. Deshalb tun wir nichts dagegen oder wir klagen und sorgen und berauben uns oder wir sind einfach nur lau, womit nichts erreicht wird. Jede lebendige Seele wünscht das Gute. Du wünschst Dein Gutes, ich wünsche mein Gutes. Kennst Du jemand, der nicht für irgendein benötigtes Gutes arbeitet, Pläne macht, träumt oder betet? Du kannst alles haben, was Du Dir wünschst, wenn Du die Kraft Deines Geistes gebrauchst ‑nicht dadurch, dass Du ein Schema entwirfst, wie Du es bekommst, sondern dadurch, dass Du über das, was Du Dir wünschst, nachdenkst, sprichst und dass Du glaubst, dass es Dir möglich ist. Alles muss zuerst in Deinem Geist angenommen werden. Du musst in Deinen eigenen Gedanken die Dinge annehmen, die Du Dir wünschst. Lebe zuerst mit ihnen im Geiste und sie werden mit Dir in der äußeren Welt leben.

Warum hast Du Dein Gutes nicht? In irgendeiner Weise versäumst Du es, das Gesetz zu erfüllen. Du musst Dein Gutes wünschen, Du musst es stark genug wünschen, um es tief zu empfinden und sei kühn genug, es im Geiste anzunehmen. Es ist schon richtig, dass Du Dein Gutes erwartest und Dein Gutes ist, was Du im Geiste mit Dir verbinden kannst. Erwartung und Vorfreude sind die Zwillingskräfte für das Gute.

Lass niemand Dich aus Deinem Guten hinausreden; es gehört Dir, sonst könntest Du es nicht wünschen. Wenn Du Dein Gutes in Deinem eigenen Geiste annimmst, wenn Du glaubst, dass es Dir möglich ist, Dein Gutes zu haben, dann wirst Du sehen, wie es in Deinem Leben, Deinem Körper und Deinen Angelegenheiten hervorkommt.

Das Gesetz Gottes sorgt für uns und wird immer für uns sorgen - selbst uns zum Trotz, wenn wir mit ihm arbeiten. Unser Gutes ist eine Angelegenheit des Denkens und Fühlens. Das Gesetz des Guten heißt, dass Gute denken, das Gute glauben und zu fühlen, dass alle Dinge möglich sind. Bedenke, dass Du es nicht denken könntest, wenn es nicht für Dich wäre. Gehorche dem Gesetz des Guten und Du wirst Dein Gutes haben. Aber sei sicher, dass Du es auch annimmst ‑denn es ist für Dich da.