Antworten auf Lebensfragen

 

Warum ist mir das passiert?

Lieber Freund,
 
ich will Dir ein großes Geheimnis verraten: Wenn Du diese Frage stellst, ist dies ein Zeichen dafür, dass Du
bereit bist, die Antwort zu hören. Du bist bereit zu wissen, wer Du bist und die Macht zu erkennen, die Du besitzt,
sonst könntest Du durch die Antwort schockiert werden. Wenn ich antworte und sage, dass uns nichts zustößt,
was wir nicht durch Denken und Glauben in Bewegung gesetzt haben, sind vielleicht viele Menschen entsetzt
bei dem Gedanken, dass sie persönlich bei den Erlebnissen, die ihnen zustoßen, eine Rolle spielen. Wenn sich
gute Dinge ereignen, glauben wir gerne, dass wir bei ihrem Zustandekommen eine Rolle gespielt haben und
schreiben uns das Verdienst zu. Wenn aber unglückliche Dinge geschehen, verneinen wir jeden Anteil daran.

Lasst uns die Dinge klar betrachten. Nichts ist Zufall. Es gibt keine Wirkung ohne Ursache; Ursache und Wirkung
sind ein Gesetz des Lebens. Wenn etwas geschieht, gibt es immer eine Ursache. Wir gebrauchen die Kraft
unseres Geistes, um alles im Leben hervorzubringen. Wir benutzen sie, um ein Heim herzurichten, um ein Geschäft
einzurichten, um eine Familie zu gründen, um unsere Kinder zu ihrem Leben und zu ihrem Ausdruck zu erziehen
und vorzubereiten. Wir denken, wir planen, wir experimentieren, wir nehmen an, wir verwerfen. Wir sind geschäftig,
mit unserem Geiste ein Leben und eine Welt zu bauen.

Mit diesem selben Geiste bitten wir um Niederlage, Fehlschlag, Sorge und Unglück und nehmen sie an. Du sagst:
„Ich bitte nicht um diese Dinge.“ Aber Du tust es, unwissentlich tust Du es, weil Du an sie denkst und Dir über sie
Sorgen machst. Sich Sorgen machen heißt, dass man etwas immer wieder im Geiste bewegt, in Angst verpackt.
Wenn Du etwas Gutes planst und baust, wendest Du es im Geiste hin und her, denn das ist ein Teil des Schaffens
oder Hervorbringens. Die Planung, die Ordnung und Umordnung mit dem Geiste sind in Wirklichkeit der
schöpferische Vorgang selbst. Die Tätigkeit des menschlichen Geistes ist der schöpferische Vorgang, durch
den die Welt hervorgebracht wird.

Wir bitten um das, was im Leben nötig ist. In den Tätigkeiten des Bittens und Wünschens finden wir, dass der
Prozess des Denkens die gewünschten Ideen hervorbringt. Dieses Denken und Planen setzt eine Kraft in
Bewegung, die die Gedanken zu Dingen verdichtet, Ideen zu konkreter Form und Träume zu äußerer Wirklichkeit bringt. Wenn wir über etwas, das wir wünschen oder leisten möchten, nachzudenken beginnen, haben wir das,
was gewünscht wird, empfangen und pflegen es. Wir haben den unsichtbaren geistigen Prozess begonnen, der
hervorbringt. Betrachte die äußere Welt. Alle Dinge in der Welt ‑ Häuser, Gebäude, Schiffe, Flugzeuge ‑ sind
durch diesen stillen Prozess des Geistes zustande gekommen. Wir sehen das, wir wissen das und doch setzen
wir dies nicht in Beziehung zu dem, was uns geschieht. Wir müssen erkennen, dass alles durch den Prozess
des menschlichen Geistes zustande kommt.


Ja, alles kommt auf diesem Wege, selbst das, was Dich zu der Frage veranlasst: „Warum ist mir das passiert?“
Nur Du weißt, was Du mit diesem „das“ meinst. Aber eins ist sicher: Nichts kann zustande kommen, es sei denn
durch den Geist. Hier kommen wir zum Kern der Sache in unserem Denken. Wir sagen: „Ich habe das nicht hervorgebracht.“, „Ich habe niemals daran gedacht.“ und „Um dies hätte ich nie bitten können.“ Aber wir tun es.
Wir bitten um viele Dinge im Leben, während wir gar nicht erkennen, dass wir bitten.

Wir bitten, wenn wir uns Sorgen machen. Ja, wir bitten und schaffen regelrecht, wenn wir uns sorgen. Wir bitten
mit unseren Ängsten. Wir bitten mit unserem Hass. Wir bitten mit unseren verletzten Gefühlen. Wir bitten mit
unserer Kritiklust und mit unseren Verurteilungen. Mit ihnen bitten wir darum, dass die Dinge in unser Leben
kommen, denn wenn wir die schöpferische Kraft unseres Denkens auf sie richten, geben wir ihnen eine öffentliche
Einladung, hervorzukommen. Wir bitten mit unseren Meinungen und unseren Vorurteilen um Erlebnisse. Mit jedem
Tun unseres Geistes bitten wir um alles, worauf wir diese vitale Kraft des Geistes richten und nehmen es an.

Das ganze Weltall, das ganze Leben reagiert auf den Geist des Menschen. Wenn Du voll Trauer bist, wendet
Dir die ganze Welt ihre traurige Seite zu. Wenn Du glücklich bist, lacht die Welt mit Dir. Du und nur Du kannst
das Tempo Deines Lebens und den Plan der Dinge, die eintreten sollen, bestimmen. Wenn wir das nur einsehen könnten, dann könnten wir die Vergeblichkeit von Sorge, Hass, Angst, verletzten Gefühlen, Kritiklust und Verurteilung erkennen.

Wenn wir unsere Denkprozesse schulen könnten, wenn wir unseren Geist so disziplinieren könnten, wie wir unsere Büros und Wohnungen in Ordnung halten, wenn wir diesen schlafenden Giganten in uns, unseren eigenen Geist, beherrschen könnten, dann würden wir den Unterschied im Leben erkennen. Diese Kraft des Geistes, die unser wirkliches Eigentum ist, ist so groß, dass sie uns befreien oder aber gefangen setzen kann.
Alles, was wir sind, unser ganzes Sein, stellt sich schließlich auf unsere Gedanken und Worte ein.

Wir erkennen nicht, dass wir entsprechend unserem Denken eine Kraft in Bewegung setzen, wenn wir sagen:
„Ich schaffe es nicht.“ oder „Die Zeiten sind schwer.“, „Das Geschäft geht schlecht.“ und „Der Staat schluckt
mein ganzes Geld.“ Wenn die Dinge schief gehen, wenn unser Geld blockiert ist und alles zum Stillstand kommt,
lasst uns bedenken, dass wir es befohlen haben, gedacht haben, vor der Familie und den Freunden beklagt
haben, dass wir bei sozialen Zusammenkünften, gemeinsamen Mahlzeiten oder beruflichen Sitzungen darüber gesprochen haben und es durch das Tun unseres Geistes hervorgebracht haben.

Wenn wir groß genug und reif genug sind, um zu sagen: „Irgendwie, wissentlich oder unwissentlich habe ich mir das selbst zugezogen“, dann haben wir den Schlüssel, der uns befreit. Wenn wir es hervorgebracht haben, dann können wir es auch ändern. Wenn wir die Krafthaben, das, was hier ist, hervorzubringen, dann haben wir auch die Kraft, unseren Geist zu ändern und den Denkprozess auf etwas zu richten, das mehr Erfüllung bringt und uns befreit. Wenn wir Unglück hervorgebracht haben, können wir unseren Auftrag zurücknehmen. Wir können alle Dinge ändern. Wir können neue Dinge in unser Herz, unseren Geist und in unsere Welt bringen.

Wenn wir .denken und sagen: „Die Menschen mögen mich nicht.“ oder „Ich schaffe es nicht, zu gehen.“ oder
„Ich bin einsam, und niemand kümmert sich um mich.“ oder „Die Kinder besuchen mich nie.“ oder „Ich versage
stets und es gibt keine Hoffnung für mich.“, dann tragen wir unseren Anspruch vor und setzen den Plan fest.
Es wird so sein, wie wir denken und fühlen. Die größte Erkenntnis von allen ist die, dass wir in diesem Augenblick
die Kraft haben, diese Befehle, die wir ausgegeben haben, zu widerrufen, und dass wir dann eine neue und
wunderbare Lebensweise in Bewegung setzen können.

Wie machst Du das? Lerne es, auf Dich selbst zu hören. Was sagst Du? Wenn Du daran denken kannst, wenn
Du sprichst und denkst und fühlst, dass Du das, was Du denkst und worüber Du sprichst, in Deinem Leben als
wirklich annimmst und dass Du die Bewegung in diesem Augenblick auslöst, dann wirst Du herausfinden, warum
die Dinge so sind, wie sie sind. Du kannst Dich fragen: „Ist es dies, was ich wünsche?“ Wenn es das nicht ist,
dann räume ihm im Geiste keinen Platz ein. Lass es fallen wie eine glühende Kohle. Lehne es ab, auch nur für
einen Augenblick im Geist etwas anzunehmen, was Du im Leben nicht wünschst. Nimm Dir etwas zu lesen, zum Nachdenken. Geh hinaus und spaziere durch die wunderschöne Welt, besuche Freunde ‑ aber gib Dir keine
Mühe, etwas zu schaffen, was Dich beraubt und Dich krank und furchtsam macht.

Du möchtest Liebe, Glück, ein gutes Leben und Deinen richtigen Platz in dieser Welt. Lass mich Dir das Geheimnis des Lebens verraten: Denke an diese Dinge. Was Du auch schon hervorgebracht hast, die Dinge, die Du heute
besitzt, löse sie und gehe durch alle Situationen, die Dir heute begegnen. Entschließe Dich, diese mächtige Kraft
anzunehmen und Deinen Geist zu beherrschen. Wähle sorgfältig aus, was Du denkst. Frage Dich: „Ist es dies,
was ich wünsche?“
Dann und nur dann solltest Du es in Geist und Herzen tragen.