Chloe's Weihnachtsgeschenk

„Ich kam hierher,
um etwas zu suchen –
ich bin nicht sicher was –
aber ich fand den Christusgeist nett und freundlich in dir.
Dieser kleine Stall –
und du –
haben mich heute Nacht
gesegnet.“

Maria und Jesuskind © photoArt brigitte



Chloe‘s Weihnachtsgeschenk

Von Rev. Ric Schumacher


Einst, in einer magischen, mystischen Zeit, lebte ein kleines Mädchen namens Chloe. Jeden Sonntag ging Chloe die Marktstraße hinunter, an vier Häusern vorbei, um zur Kirche zu gehen.
Am ersten Sonntag im Dezember bat Pastor Bob immer darum, dass Freiwillige ihm helfen möchten, die Weihnachtsszene im Vorgarten der Kirche aufzubauen. Jedes Jahr wollte Chloe mitarbeiten und jedes Jahr wurde ihr gesagt, dass sie zu klein sei.

Aber dieses Jahr war Chloe die Einzige, die sich freiwillig meldete – sie war genauso groß wie die Plastikstatuen von Maria und Josef –, und so blieb sie nach dem Gottesdienst, um zu helfen. Pastor Bob erledigte das meiste, aber Chloe hatte den wichtigsten Job: die kleine Plastikstatue von Jesus in die Krippe zu legen.

Als sie fertig waren, fragte Chloe: „Und was jetzt?“ Pastor Bob sagte: „Wir sollten beten.“ Chloe fragte: „Kann ich auch beten?“

„Wie wäre es, wenn wir es so machen würden?“, sagte Pastor Bob, „wir beten beide mit offenen Augen und ich spreche die Worte und du beobachtest mein Gesicht, und wenn ich dir zublinzle, sagst du AMEN, was bedeutet so ist es.“ Nachdem sie gebetet hatten, ging Chloe alleine nach Hause.
Denke daran, dies ist keine gewöhnliche Geschichte; es ist eine magische, mystische Weihnachtswundergeschichte.

Mehrere Wochen später, am Heiligen Abend, konnte Chloe nicht schlafen, selbst mit ihrem Hund Gilbert nicht, der neben ihr lag. Sie beschloss, Gilbert die Krippenszene zu zeigen, sprang aus dem Bett, kleidete sich warm an und packte in der Küche ihren bunten Rucksack. Zusammen verließen sie das Haus und gingen die Straße hinab, an vier Häusern vorbei, zur Kirche. Gilbert lief ohne Leine neben Chloe.

Das Mondlicht beleuchtete die kleine Krippenszene. Chloe war dabei, die Namen der Statuen zu erklären, als Gilbert zu knurren anfing.

Ein Mann kam näher. Gilbert knurrte lauter und fletschte seine Zähne. Der Mann legte seinen Zeigefinger auf seine Lippen und Gilbert beruhigte sich.Chloe begann das Gespräch.

„Bist du hierher gekommen, um Jesus zu sehen?“, fragte sie. „Heute Nacht ist sein Geburtstag.“

Der Mann nickte und sagte nichts. Er war schmuddelig, mit sieben Tage altem Bart und trug einen alten langen, ausgebeulten Mantel. Die Turnschuhe an seinen Füßen waren vom Schnee durchnässt. Chloe fragte ihn nach seinem Namen.

„Mein Name ist Joe.“

Chloe fragte: „Heißt du Joe oder Josef?“ Chloe zeigte auf die Statue von Josef und sagte: „Weißt du, dass dieser Mann auch Josef heißt? Er war Marias Mann und sie war die Mutter von Jesus.“

„Ja, ich weiß das“, sagte Joe. „Die Bibel spricht nicht so viel über Josef. Es scheint, sie haben ihn vergessen. Manchmal glaube ich, die Welt hat diesen alten Josef auch vergessen.“

In dem Augenblick schnappte Gilbert sanft nach dem Ärmel von Chloes Jacke und zog sie in den kleinen Stall. Anschließend näherte sich Gilbert langsam Joe und zog ihn am Ärmel seines langen, schwarzen Mantels zu Chloe in den Stall. Bis jetzt hatte sich Gilbert immer schützend zwischen beide gestellt, aber der treue Hund fühlte, dass dies nicht länger notwendig war. Die drei standen scheinbar eine halbe Ewigkeit in der Stille.
Chloe sprach zuerst. „Joe, bist du hungrig? Du siehst hungrig aus und ein bisschen abgemagert, denn dein Gürtel ist sehr eng zugezogen.“

Langsam nahm Chloe ihren Rucksack ab und zog zwei Sandwiches mit Butter, Wurst und Ketchup heraus und außerdem vier selbstgemachte Plätzchen – zwei weiße Sterne und zwei grüne Glocken. Sie hatte auch zwei Tassen für heiße Schokolade aus der Thermosflasche und einen Hundekuchen für Gilbert mitgebracht.
„Das habe ich für die Geburtstagsfeier mit Jesus mitgebracht, aber ich glaube, er möchte, dass du es haben sollst.“
Joe sagte bescheiden: „Ich nehme es an.“

Sie aßen in der Stille. Als sie fertig waren, packte Chloe die Tassen und die Thermosflasche ein, sagte Tschüss und ging nach Hause. Bevor sie den Vorgarten der Kirche verlassen hatten, sagte Joe noch: „Ich kam hierher, um etwas zu suchen – ich bin nicht sicher was – aber ich fand den Christusgeist nett und freundlich in dir. Dieser kleine Stall – und du - haben mich heute Nacht gesegnet.“

„Das ist genau das, wofür Pastor Bob und ich gebetet hatten. Tschüss, Joe, Frohe Weihnachten!“

Joe stand noch eine ganze Weile alleine da, aber er fühlte sich nicht mehr allein. Er erinnerte sich an einen alten Spruch: „… und ein kleines Kind wird sie führen.“ Er hatte immer gedacht, dies würde etwas anderes bedeuten. Es heißt, dass in dieser Nacht ein oder zwei Tränen in Joes Augen waren, aber wir werden es niemals wirklich wissen.

Chloe und Gilbert kamen zu Hause an und gingen sofort schlafen. Am Morgen erwachte Chloe durch die Stimme ihrer Mutter: „Chloe, es ist Weihnachten!“  Chloe und Gilbert sausten die Treppe hinunter und Chloe erzählte ihrer Mutter ganz aufgeregt die Geschehnisse bei der Geburtstagsfeier mit Josef und Jesus. Chloe sprach über die Sandwiches mit Wurst, die stern- und glockenförmigen Plätzchen und die heiße Schokolade. Chloe‘s Mutter sagte zu ihr: „Das ist sehr schön, mein Liebes. Öffne aber jetzt deine Geschenke.“

Vielleicht hat Chloes Mutter ihr nicht geglaubt, oder vielleicht hatte sie nicht zugehört oder sie hat es einfach nicht verstanden. Bis zu diesem Tag sagen einige, es war nur der Heilig-Abend-Traum eines kleinen Mädchens. Aber ich glaube an die Magie von Weihnachten. Ich glaube an Pastor Bobs Gebet und Chloes AMEN. Am Ende, und dies ist das Ende, glaube ich!