Betrachtungen

Der Eine, der wir alle sein könnten

Von James Dilleet Freeman

Auszug aus: Angels Sing in Me
Quelle: Lent 2020


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Besinnliches zum Ostersonntag


Der Eine, der wir alle sein könnten


Es gab jemanden, der uns zeigte, wer wir alle sein könnten. Er sagte uns nicht so sehr, wie unser Leben sei sollte, sondern er lebte das Leben, das wir leben könnten.

Der Eine, der wir alle sein könnten, glaubte an andere Menschen. Er sah in ihnen ein Potential, das andere übersahen. Er wusste, dass sie zu mehr fähig waren, als sie selbst dachten. Er inspirierte Sünder dazu Heilige zu werden, sozial Ausgestoßene  öffentliche Wohltäter zu werden, Schwächlinge zu kraftvollen Riesen zu werden. Er machte aus normalen Fischern „Menschenfischer“.

Der Eine, der wir alle sein könnten, sah über die Unvollkommenheiten des Lebens hinaus – über Krankheit und Zweifel, über Armut und Angst, über Hass und Stolz, selbst über den Tod – und er rief Ganzheit, Glauben, Freude, Liebe und Leben hervor. Er zeigte uns, was das Leben sein kann – wenn es bis zum Äußersten seiner Möglichkeiten gelebt wird. Er zeigte uns, wie eine Person sein kann, die von sich das Höchste und Beste glaubt.

Wie schwer finden wir es, eine oder zwei Personen zu lieben! Doch er zeigte uns, dass es möglich ist, alle zu lieben. Wie viele Stunden haben wir im Groll vergeudet! Doch dieser Eine zeigte uns, dass es möglich ist, frei von Hass zu leben.

Er wusste, wie viel ein liebendes Herz wert ist. Er hatte ein Gefühl für die richtigen Werte. Er war imstande, nicht nach dem Anschein zu richten; imstande, das Wichtige zuerst zu tun; imstande, zu sehen, wie viel wichtiger als materielle Schätze die Schätze des Herzens und des Geistes sind.

Er sah die Menschen, wie sie sind, Geschöpfe aus Fleisch und Blut, mit körperlichen Bedürfnissen und Wünschen. Nicht einmal hat er gesagt „Es ist besser für deine Seele, wenn dein Körper leidet, deshalb werde ich dir nicht helfen“. Jene, die krank waren, heilte er; jene die hungrig waren nährte er. Er wusste, dass die Liebe keine Bezahlung durch Leiden erwartet, als Preis für geistiges Wachstum.

Dieser ist kein Mensch der Sorgen, obwohl er weinte. Obwohl er litt, war sein Leben nicht tragisch. Selbst sein Tod war nicht wirklich tragisch, denn wie schnell war die Dunkelheit des Kalvarienberges weggewischt im Licht des Ostermorgens! Die Energie, die er durch das Überwinden des Todes freisetzte, strömt immer noch, zweitausend Jahre später, in Millionen von Leben.

 
Es gab den Einen, der uns zeigte, was wir alle sein könnten …

Was für eine Höhe der Erfüllung, was für eine Tiefe des Mitempfindens, was für eine Breite des Verständnisses könnte unser sein – wenn wir all das wären, was wir sein könnten!

Wir könnten mit einer Liebe lieben, die niemanden ausschließt sondern sich allen gibt.

Wir könnten ein Gefühl für die richtigen Werte haben, die geistigen Dinge an die erste Stelle setzen und die geistigen Kräfte nutzen, um die physische Welt zu transformieren.

Wir könnten Selbstmeisterschaft erlangen und größer als alle Umstände sein.

Wir könnten demütig im Geist sein, doch uns unseres ewigen Wertes bewusst.

Wir könnten im Frieden sein, doch ein Zentrum von Energie.

Wir könnten Gott-zentriert sein, ein Fokus, durch den seine Macht frei fließen kann in freudvoller Verwirklichung.

Wir könnten unbegrenzt in der Vision sein und das erhalten, was wir uns vorstellen.

Wir könnten die Fülle des Mitempfindens erfahren und doch in der Fülle der Freude leben.

Wir könnten fähig sein, allen zu helfen, die sich an uns wenden, das Leben segnen, das wir berühren, Sorgen in Freude verwandeln, Hass in Liebe, Krankheit in Gesundheit, Mangel in Fülle, Tod in Leben.

Wir könnten eins sein mit der zugrunde liegenden Harmonie im Zentrum aller Dinge.

Das ist es, was wir alle sein könnten.


Auszug aus: Angels Sing in Me
James Dillet Freeman Memorial Book / Unity Books, 2004

Quelle: Lent 2020